| DIE ZEIT, Beilage Leben, 6.November 2003 | ||||
Biografien haben Hochkonjunktur. Nicht nur Prominente, auch Unbekannte haben das Bedürfnis, Ihre Lebensgeschichte zu erzählen: Auch sie bedienen sich der Hilfe von Ghostwritern. Wir haben Jo Lendle, Lektor beim DuMont Verlag, gebeten, Werbetexte für einige Biografien zu verfassen, die es nicht zu kaufen gibt. |
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ELISABETH VON GODIN Bilder erzählen Gesichter erzählen Geschichte. Elisabeth von Godin versammelt in ihrem beeindrucken Bilderbuch über 100 Porträts ihrer Familie, die mit Erinnerungen und Anekdoten versehen sind. So entsteht neben dem erzählten Stammbaum einer Münchnerin aus gutem Hause ein persönliches Geschichtsbuch; das bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückreicht. |
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Schon der Großvater der Illustratorin von Godin hatte eine zeichnerische
Ader. Eine Karikatur aus seiner Hand fingt die Königin Therese
ein, wie sie auf einem Hofball gelangweilt gähnt. Von Godins anderer
Großvater, Friedrich von Ziegler, war Staatsminister bei Ludwig
II. Der König ließ ihn holen, wann immer ihm der Sinn nach
einer Unterhaltung stand – fast jede Nacht, sehr zum Unwillen
des Großvaters, der sich listenreich verleugnen ließ. Der
König bot ihm sogar das Du an: »Aber jetzt probierens mal,
zu so jemand Du zu sagen!« Faschingsbilder zeigen den Vater als
Fakir. Elisabeth von Godin erzählt; wie er sich zum Karneval auch
als italienischer Mäusefallenhändler verkleidete. Hinter den
Bildern tauchen Schicksale auf:' Der Vater arbeitete als freier Schriftsteller,
bis die Nazis dafür sorgten, dass er keine Aufträge mehr:
bekam. So hört man beim Blättern Geschichte für Geschichte,
als stiller Gast eines Generationen versammelnden Familienfestes. |
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